Rechenzentren neu gedacht!

Neue Anforderungen für Rechenzentren erfordern strategische Weichenstellungen in Banken und Versicherungen. Timm Scheibach wirft in seinem Kommentar einen Blick auf aktuelle Herausforderungen.

RZ-Strategie

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Neue Anforderungen für Rechenzentren erfordern strategische Weichenstellungen

In einer Zeit, in der die Digitalisierung in der Finanzbranche rasant fortschreitet, stehen IT-Verantwortliche von Banken und Versicherungen vor der Herausforderung, ihre Rechenzentren (RZ) neu zu denken. Die Cloud bietet zwar ein großes Potenzial, doch Rechenzentren sind nach wie vor unerlässlich für die Aufrechterhaltung der Sicherheit, Leistung und Compliance insbesondere von Legacy-Applikationen. Deutlich verschärfte gesetzliche Anforderungen zur Energieeffizienz zwingen zu einer Neubewertung der RZ-Strategie. Dieser Artikel wirft einen Blick auf die Notwendigkeit einer strategischen Planung unter Berücksichtigung des Energie-Effizienz-Gesetz (EnEfG), Marktbedingungen und BSI-Anforderungen zur Geo-Redundanz, um eine Balance zwischen Investition, Betrieb und Risikomanagement zu finden.

1. Das unersetzliche Fundament: Rechenzentren neben der Cloud

In der Finanzwelt bilden Rechenzentren (RZs) ein essenzielles Standbein neben der Cloud. Ihre Rolle ist nicht durch Hyperscaler-Dienste ersetzbar, denn sie sorgen für die physische Sicherheit, Compliance und Performance für Applikationen und Daten, die aus regulatorischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht in der Cloud betrieben werden können. Die Herausforderung liegt darin, sie flexibel in die IT-Architektur zu integrieren, um bei einem weiteren Ausbau der Cloud-Nutzung skalieren zu können.

2. Das Energie-Effizienz-Gesetz: Zwang zur Modernisierung

Das deutsche Energie-Effizienz-Gesetz (EnEfG) setzt neue Maßstäbe in der ökologischen Ausrichtung von Rechenzentren. Es fordert von Betreibern, den Energieverbrauch zu senken und regenerative Energiequellen zu integrieren. Konkret bedeutet dies, dass RZ-Betreiber eine Energieeffizienz-Analyse und regelmäßige Audits durchführen müssen, um ihre Energiebilanz zu überwachen und zu verbessern. Die Maßnahmen hierzu reichen von der Optimierung der Kühlungssysteme bis hin zur Implementierung von Servertechnologien, die weniger Strom verbrauchen. Darüber hinaus sollen Betreiber erneuerbare Energien nutzen und die Abwärme der Rechenzentren sinnvoll wieder in den Energiekreislauf einbinden. Die Nichtbeachtung dieser Vorgaben kann zu Strafen führen, was die Notwendigkeit unterstreicht, RZs zu modernisieren oder durch energieeffizientere Anlagen zu ersetzen. Betreiber insbesondere von älteren oder nur in Teilen genutzten RZs müssen jetzt handeln. Jede Option muss sorgfältig abgewogen werden, um die Energieeffizienz zu maximieren und gleichzeitig die Investitions- und Betriebskosten zu minimieren. Ein geschickter Spagat, der strategisches Fingerspitzengefühl verlangt.

3. Angebot und Nachfrage am Beispiel Frankfurt

Der Markt für Rechenzentren, insbesondere in der Finanzmetropole Frankfurt, ist ein Anbietermarkt. Die Nachfrage nach RZ-Flächen steigt stetig an, angetrieben durch das Wachstum der Cloudnutzung und das zunehmende Datenaufkommen. Frankfurt, als zentrales Nervensystem der Datenströme in Europa, zieht nicht nur lokale, sondern auch internationale Akteure wie z.B. Hyperscaler an. Dies verstärkt den Druck auf verfügbare RZ-Kapazitäten und treibt die Preise nach oben. Frankfurt ist neben London der teuerste RZ-Standort in Europa.

Anbieter reagieren auf diesen Bedarf mit einer Diversifizierung ihrer Services und investieren in die Erweiterung ihrer Infrastruktur. Doch der Raum für Expansion ist begrenzt, was zu einem Verkäufermarkt führt. Finanzinstitute müssen sich daher in einem hochkompetitiven Umfeld behaupten, strategische Partnerschaften schmieden und innovative Lösungen finden, um ihre IT-Infrastruktur sicher und zukunftsfähig zu betreiben. In dieser dynamischen Marktsituation ist ein vorausschauendes Handeln entscheidend, um langfristige Verfügbarkeit zu sichern und von den Standortvorteilen Frankfurts zu profitieren.

4. Geo-Redundanz: Notwendigkeit trifft auf Kostendruck

Die Einhaltung von BSI-Vorgaben zur Geo-Redundanz ist für Finanzinstitute eine kostspielige Pflicht. Die doppelte Vorhaltung kritischer Systeme an unterschiedlichen Standorten ist eine komplexe Aufgabe, die sowohl die finanziellen als auch die operativen Ressourcen belastet. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden, um den bestmöglichen Schutz ohne unnötige Ausgaben zu realisieren.

5. Risiko und Chance: Die RZ-Strategie ausbalancieren

Die Entwicklung einer ganzheitlichen RZ-Strategie eröffnet Möglichkeiten, Chancen zu ergreifen und gleichzeitig Risiken zu minimieren. Eine ausgewogene Strategie berücksichtigt sowohl die kurzfristigen Bedürfnisse als auch die langfristigen Ziele des Unternehmens. Sie findet den Mittelweg zwischen Investitionen in die Infrastruktur und dem effizienten Betrieb des täglichen Geschäfts.

Die Zukunft der IT-Infrastruktur in Banken und Versicherungen wird durch eine Reihe von externen Faktoren wie Gesetzgebung, Marktbedingungen und technologischen Entwicklungen beeinflusst. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer flexiblen und vorausschauenden Planung, die es ermöglicht, auf Veränderungen schnell zu reagieren, ohne die Stabilität des Systems zu gefährden.  

Durch eine kluge RZ-Strategie stellen Finanzinstitute die Weichen für eine sichere und effiziente IT-Zukunft.

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