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Klassische IT-Organisation auf dem Abstellgleis?

Die Folgen der Cloud für die IT-Organisation. Kommentar von Jan Scheider.

Die Folgen der Cloud für die IT-Organisation

Erst Buzzword, dann Reizwort, jetzt Realität: Die Cloud ist zweifellos in den Unternehmen angekommen. Es wird nicht mehr über das „Ob“ diskutiert, sondern über das „Wie“. Orchestrierung ist das Thema, hybride Cloud-Konzepte sind gefragt. Noch viel mehr wird über Datensicherheit gesprochen, wobei der Reiz der preiswerten Public-Cloud-Lösungen wohl nie ganz mit den Bedenken der Datenschützer zur Deckung zu bringen sein wird.

Was fast nie zur Sprache kommt, sind die Folgen der Cloud für die IT-Organisation

Dabei sind die Veränderungen zweifellos gravierend. In IaaS- und PaaS-Umgebungen wird die Infrastruktur programmiert, weniger konfiguriert. Ganze IT-Landschaften werden in Code abgebildet, liegen in einer Versionsverwaltung und können mit einem Mausklick verändert, aktiviert oder geklont werden. Damit wird es noch wichtiger, die Verzahnung von Anwendungsentwicklung und Infrastrukturen zu stärken.
Nur – in welchem Unternehmen verstehen sich Anwendungsentwickler mit den Kollegen von der Infrastruktur wirklich? In den Augen der Unternehmen war das bislang gelegentlich eine operative Hürde, meist aber eher ein Schönheitsfehler.

Mit einem Schulterzucken lassen sich die Aufgaben einer IT-Abteilung vor dem Hintergrund einer Cloud-Infrastruktur aber nicht mehr lösen. Ohne eine klare Regelung von Struktur und Verwaltbarkeit laufen Unternehmen ganz konkret Gefahr, die Verfügbarkeit von Applikationen zu riskieren. Denn ohne gesicherte Struktur können sich potenziell riskante Konstellationen ungehindert entfalten: Es werden nicht konsistente Namensräume verwendet, Datenspeicherungen erfolgen auf unterschiedlichste Arten, der Übergang in den Betrieb und das Monitoring erfolgen ungesteuert oder gar nicht.

Stringente Organisation verhindert Probleme

Solche Probleme lassen sich nur durch eine stringente Organisation verhindern. Von der IT sind also strukturelle Veränderungen gefordert. Werden sie vernachlässigt – etwa weil die Zuständigkeiten unklar sind oder die Kompetenzen fehlen, sinkt fast zwangsläufig die Verfügbarkeit. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zum Datenverlust oder zu Sicherheitsvorfällen mit substanzieller Auswirkung auf das Unternehmen. So kann ein System, das „unter dem Radar“ einer IT arbeitet, erhebliche Probleme verursachen: Wenn es mangels Kenntnis nicht in das Patching aufgenommen wird, überaltert es zusehends. Damit sinkt die Betriebssicherheit, und vor allem entstehen so Sicherheitslücken, weil längst bekannte Einfallstore offen bleiben.

Den Anwendungsentwicklern müssen Infrastrukturverantwortliche direkt zur Seite gestellt werden, die die Programmierung der benötigten Cloud-Infrastruktur entweder zum Teil selbst übernehmen oder mindestens begleiten. So werden auch Belange des Betriebs berücksichtigt, ohne die Flexibilität der Cloud-Infrastrukturen auszubremsen. Nur so lassen sich verlässliche Services aufbauen.

IT-Organisation ist unverzichtbar

Es ist ein Trugschluss zu glauben, durch die Cloud auch die Betriebs-Komponente der IT-Organisation ersetzen zu können. Zur Sicherstellung eines sicheren Betriebs, auch auf Cloud-Umgebungen, ist sie weiterhin unverzichtbar. Die rein operative Arbeit nimmt zweifellos ab – die strategische und strukturelle Arbeit jedoch eher zu.
Trotz aller Freiheiten und der Geschwindigkeit von Cloud-Lösungen sind Unternehmen deshalb schlecht beraten, die Qualität der eigenen IT-Organisation zu beschneiden. Es gilt, das Know-How des Betriebs zu stärken und für Cloud-Infrastrukturen aufzustellen. Und die IT ist gut beraten, sich auf die Operationalisierung von Cloud Services einzustellen. Letztlich wird sie nach wie vor auch an der Verfügbarkeit und der Verlässlichkeit der Infrastruktur gemessen. Nur so wird aus dem Einsatz von preiswerten Cloud-Services nicht ein Bumerang, der die Einsparungen auf der Infrastruktur- und Betriebsseite hinwegfegt.

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