Kommentar: IT-Strategien und Cloud-Sourcing im Zuge des digitalen Wandels – Der Markt für IT-Sourcingberatung in Deutschland

microfin-Meinung zur aktuellen Lünendonk-Studie 2019

Kommentar zur Lünendonk-Studie 2019

Auch 2019 gibt die Lünendonk-Studie zum Markt für IT-Sourcingberatung in Deutschland wieder Aufschluss über Entwicklungen und Trends in den IT-Abteilungen. microfin hat die wichtigsten Erkenntnisse herausgefiltert, kommentiert und mit Praxiserfahrungen angereichert.

Cloud braucht Governance!

Dass Cloud-Lösungen die technologische Modernisierung der IT-Landschaft forcieren – diese Erkenntnis ist nicht wirklich neu. Längst sind sie neben den traditionellen "On-Premise-Lösungen" realer Baustein im Sourcing-Mix vieler Unternehmen, was sich – wie die Studie aufzeigt – auch im Verhältnis zueinander zunehmend ausbalanciert. In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden beobachten wir aber auch, dass es vor allem die "Frontrunner" in der breiteren Einführung und Nutzung von Cloud-Lösungen sind, die an der Komplexität zu scheitern drohen.

Fachbereiche „erobern“ das SaaS-Universum immer autarker – zumindest solange es nur um die bloße Beschaffung und nicht um den im Alltag so wesentlichen Betrieb geht. Zugleich ist in den IT-Abteilungen allen immensen Initialisierungsaufwänden zum Trotz nicht selten ein regelrechter Wettlauf der Azure- versus der Amazon-Verfechter zu beobachten.   

An der Multi-Cloud und deren Orchestrierung führt deshalb auch kein Weg vorbei. Dominierten dabei bislang vor allem funktionale und technologische Fragestellungen, wächst zunehmend die Erkenntnis, auch Aspekte der Organisation berücksichtigen und in Takt mit Architektur und Technik bringen zu müssen. Nach unserer Wahrnehmung kommt das in der aktuellen Marktanalyse von Lünendonk auch stärker zum Ausdruck als in den Jahren zuvor.

Die Studie sieht hier Veränderungen in „Rollenmodellen sowie Aufgaben in den IT-Abteilungen“. Governance-Modelle, die sich dabei auf die Cloud-spezifischen Anforderungen ausrichten, gehen aber weit über angepasste Rollen- und Prozessmodellierungen hinaus. Cloud-Governance heißt eben auch, die eigene Organisation zu "evangelisieren", sie auf die "Spielregeln" in einem hoch standardisierten Umfeld mit Wissen und Qualifikationen vorzubereiten.

Cloud agilisiert Auswahlprozesse!

Der Studie zufolge entscheidet sich der überwiegende Teil der Unternehmen für Cloud-Lösungen weiterhin vor allem aus technischen Gründen "wie den flexiblen und skalierbaren Betrieb der Anwendungen" oder "die Abdeckung von Lastspitzen". Das deckt sich mit unseren Erfahrungen, zumal die anfänglich dominierende Motivation zur Kostensenkung immer mehr an Bedeutung verliert.
Dabei muss aber nach unserer Einschätzung die strategische Betrachtung für die IT-Infrastruktur differenzierter ausfallen, wie das Beispiel Workplace und dessen zunehmende "Cloudifizierung" zeigt: IT-Services rund um den Arbeitsplatz werden künftig noch viel stärker cloud-basiert sein als bislang. Unternehmen sollten deshalb bei der Auswahl solcher Lösungen (noch) viel stärker auf ihre Nutzer hören und ihre Bedürfnisse umsetzen, sie konsequenterweise am Auswahlprozess beteiligen und sie zu Mitentscheidern machen. Sourcing- und Cloud-Strategien setzen bereits hier an und nutzen zeitgemäße(re) Methoden, Leit- und Zielbilder (agiler) zu bestimmen, an denen sich Anbieter und ihre Serviceportfolien werden messen lassen müssen.

Als Sourcing-Spezialist haben wir in der Konsequenz daher auch alternative Auswahlverfahren entwickelt. Weg von starren Vorgaben, mehr Fokus auf die Anbieter und ihre individuellen Portfolien. Was widersprüchlich klingen mag, lässt dennoch Vergleichbarkeit und Wettbewerb zu – und das zugunsten von mehr Innovation, die sich so viele Unternehmen im Sourcing und in der Zusammenarbeit mit den Providern wünschen. Eine Schlussfolgerung, zu der die Studie im Gesamtkontext kommt, ist nach unserer Auffassung daher mehr als folgerichtig: "Auch die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, IT und externen IT-Dienstleistern, sowie deren Liefermodelle, wird neu geordnet."

Cloud Migration bedingt Cloud Readiness

Während in Teilen der Infrastruktur der Weg in die Cloud damit vorgezeichnet zu sein scheint, stehen Unternehmen vor der Herkulesaufgabe, tragfähige Szenarien zur Migration ihrer Altanwendungen in die Cloud noch finden zu müssen. Wie die Lünendonk-Studie aufzeigt, sehen viele Unternehmen hier "ein beliebtes Instrument zur IT-Modernisierung". Doch das jeweils "richtige" Migrations-Szenario ableiten zu können, ist in der Realität viel komplexer: Über den Umzug in die Cloud entscheidet nicht nur die technologische Machbarkeit. Fragen der Datenkritikalität, der Informationssicherheit und der Vertragsgestaltung gilt es in diesem Kontext genauso zu beantworten wie die Wirtschaftlichkeit des für die Migration zu investierendem Aufwand im Verhältnis zum erwarteten Nutzen.

Schon in der statistischen Verteilung der Migrations-Strategien im Verhältnis von AWS und Azure ist keine Standardaufteilung für Retain, Rehost, Refactoring etc. zu erkennen. Die Unternehmen kennen ihre (Legacy-) Anwendungen, für die eine Cloud-Migration kompromisslos ausscheidet, in der Regel sehr genau. Zu monolithisch sind die Architekturen, zu sensibel die Daten für einen Cloud-Umzug, der Migrationsaufwand rechnet sich nicht. Wie also mit dem Rest, der eigentlichen Masse der Anwendungen umgehen?

Wir empfehlen, bereits in der Cloud-Strategie ein Prüfschema zu konzipieren und mit Readiness-Kriterien zu belegen, das die genannten Aspekte berücksichtigt. In der Cloud-Governance verankert, hilft das Schema, Vorentscheidungen zu treffen, also zu erkennen, für welche Anwendungen sich weiterführenden Analysen lohnen und für welche nicht.

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