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Lizenzmanagement 2020: Ein Nachruf

Cloud Sourcing macht Lizenzmanagement überflüssig - behauptet Sascha Wolff in seinem Kommentar.

Kommentar

Softwarehersteller verdienen ihr Geld hauptsächlich mit: Lizenzen, d.h. Nutzungsrechten. Das wird sich auch zukünftig nicht ändern, und entsprechend werden sich die Nutzer weiterhin mit dem lästigen aber auch teuren Thema beschäftigen müssen. Und trotzdem wird das Lizenzmanagement, wie wir es heute kennen, bis 2020 verschwunden sein. Grund zur Trauer? Sicher nicht. Aber ein guter Grund, sich rechtzeitig mit den Alternativen auseinanderzusetzen.

Machen wir kurz eine nüchterne Bestandsaufnahme: Wer als Unternehmen heute ein konsequentes Lizenzmanagement betreibt – woran es oft mangelt – der hat es im Wesentlichen mit zwei Modellen zu tun: Einerseits userbasierte Lizenzen, wie etwa klassisch bei Office-Programmen wie Microsoft Office, aber auch bei SAP. Andererseits hardwarebasierte Lizenzen, etwa bei Datenbanken (z.B. Oracle), wenn die Nutzung auf dedizierter Hardware erfolgt und dem Kunden direkt zuzuordnen ist.
 

Weiche Gebührenmodelle für Software

Schon heute ist die Anwender-Welt allerdings nicht mehr so schön einfach wie noch vor zehn Jahren. Die Komplexität steigt stetig. Die Gründe liegen auf der Hand: Virtualisierung, Cloud Services und Software as a Service brauchen andere Bezahlmodelle, um die damit angestrebte Flexibilität nicht zu behindern. Außerdem wünschen sich Finanzabteilungen immer häufiger einen regelmäßigen Geldfluss über die gesamte Nutzungsdauer der Software. Das wiederum macht Mietlizenzen zunehmend populärer.

Damit sind wir schon mitten in der neuen Denkweise: Nicht mehr Arbeitsplätze, nicht mehr Hardware, sondern die Nutzung im Rahmen einer Shared Infrastructure wird abgerechnet. Das ist zwar weiterhin userabhängig (siehe O365), praktisch jedoch geht es um Mietlizenzen. Das klassische Lizenzmodell weicht also zusehends auf, insbesondere bei Cloud Services greifen „harte“ Lizenzen nicht mehr. Im Zeitalter der Digitaslisierung werden klassische Lizenzmodelle und Denkweisen in Sourcing- und Servicemodelle transformiert.

Softwarehersteller? Provider? Identisch.

Und noch eines macht die Cloud deutlich: Die Grenzen zwischen Software-Hersteller und Service Provider verschwimmen, die Lieferantentypen gehen ineinander über. Genau das ist der Todesstoß für das althergebrachte Lizenzmanagement: Es verschmilzt künftig mit dem Providermanagement und wird zu Lieferanten- und Suppliermanagement. Das ist folgerichtig und konsequent – aber leider nicht trivial!
Denn einen sauberen Schnitt kann und wird es nicht geben. Der Übergang wird hart und komplex, da über längere Zeit ein Mischbetrieb unvermeidlich ist, bis der Wandel vollzogen ist. Unterschiedliche Lizenzmodelle müssen kombiniert, Lizenzverträge und Dienstleisterverträge aufeinander abgestimmt werden. Es müssen Übergangsregelungen erarbeitet und verhandelt werden. Und das alles, weil eben der Weg in die Cloud nur noch ein kurzer Weg ist – obwohl viele Unternehmen darauf noch nicht wirklich vorbereitet sind.

Es gibt viel zu tun: Angefangen von Leitlinien und Prämissen, Lizenzmanagement bis hin zur Security-Themen. Der Markt droht die Unternehmensrealität zu überholen. Hilfreich bzw. unbedingt empfehlenswert ist eine Cloud-Strategie unter Berücksichtigung des Sourcing-Zielbilds – insbesondere in der Phase hybrider Onsite- und Cloud-Nutzung.

Andernfalls drohen in der Folge Vertragsrisiken und Kostenfallen. Denn natürlich soll die „schöne neue Welt ohne Lizenzen“ nicht teurer sein als die alte, obwohl die Software-Hersteller angesichts der noch fehlenden Transparenz natürlich versuchen, an der Preisschraube zu drehen. Um das zu vermeiden, ist Know-How sowohl im Lizenzmanagement als auch im Sourcing erforderlich. Zudem ist oft eine Lizenzierung über mehrere Provider erforderlich, was die Steuerung zusätzlich verkompliziert.

Es überrascht deshalb nicht, dass viele Unternehmen das ehemals hausgemachte Lizenzmanagement abgeben und auf externe Spezialanbieter vertrauen – und, dass eben diese Spezialanbieter sichtlich im Aufwind sind. Das funktioniert, bedeutet aber einen zusätzlichen Kostenfaktor.

Cloud Sourcing macht Lizenzmanagement überflüssig

Wenn aber Lizenzmanagement und Providermanagement künftig eins werden, kann die Konsequenz nur lauten: Der IT-Dienstleister übernimmt künftig auch die Abrechnung für die Software-Nutzung. Und das wiederum bedeutet, dass ein zukünftiger Providermanager auch Lizenzmodelle verstehen und tracken können muss, da sie in die eigenen Service-Kosten integriert werden müssen.

Wird man in drei Jahren dem „notwendigen Übel“ Lizenzmanagement also doch eine Träne nachweinen? Wohl kaum. Aber wer jetzt nicht saubere Strukturen schafft und Know-how aufbaut, wird es 2020 sicher bereuen, die Umstellung nicht als Chance für mehr Transparenz und Effektivität genutzt zu haben.

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