Wertbeitrag der IT

Wenn fehlendes Business Alignment die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. IT gilt als "black box".

Wenn fehlendes Alignment die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Seit Jahren versuchen CIOs weltweit, den Wertbeitrag der IT für Vorstände und Aufsichtsräte begreifbar oder sogar berechenbar zu machen – um dem weiter wachsenden Kostenblock IT einen konkreten und plausiblen Business-Nutzen zuzuordnen. Das ist in Branchen wie etwa dem Handel oder der Industrie inzwischen fallweise auch gut gelungen. Der Bankensektor ist davon allerdings meist noch weit entfernt. Jenseits von Geldautomaten und Onlinebanking gilt die IT immer wieder als undurchsichtiges notwendiges Übel, das kaum in Zusammenhang mit Innovation und Wettbewerbsfähigkeit gesehen wird. Wegen des meist gewaltigen Anteils der IT-Kosten am Verwaltungsaufwand ist es kein Wunder, dass die IT deshalb sofort in den Fokus gerät, wenn es um Kosteneinsparungen geht. Ebenso wenig verwundert, dass es den im Bank-Business verantwortlichen Bankiers und den CIOs – verantwortlich für diese „Black Box“ – schwerfällt, das tägliche Miteinander (Alignment) zu gestalten.

Aber wie gehen Business Alignment, Margen- und Kostendruck und Wettbewerbsfähigkeit zusammen? Wird dies strategisch nicht komplett durchdacht, wird sich fehlendes Alignment mittel- bis langfristig zum Problem und zum Eigentor in Sachen Wettbewerbsfähigkeit auswirken – was neben dem Schaden auch das Vertrauen in die IT weiter schwächt. Ein Teufelskreis. Wenn CIOs also auch in Banken um Verständnis und Anerkennung für die IT werben, ist das keine Frage der Eitelkeit, sondern eine pure wirtschaftliche Notwendigkeit. Erfolg versprechende Ansätze zum konstruktiven Miteinander gibt es.

Können sich CEOs der IT komplett verweigern? Vor Jahren war das durchaus noch gängig, auch und gerade bei Banken und Finanzdienstleistern. Und noch heute, so eine Befragung von PriceWaterhouseCoopers (PwC)*, hat jeder achte Vorstand noch nie ein formelles Meeting mit dem CIO gehabt. Der Trend zeigt allerdings langsam in eine andere Richtung: Der Wille, die IT zumindest als geschäftskritischen Faktor wahrzunehmen, wächst auch in den Führungsgremien. Zugleich starten CIOs immer mehr Initiativen, detaillierter auf Geschäftsanforderungen einzugehen.

Denn eine Tatsache ist nach wie vor nicht zu verleugnen: Wegen der Aufgabenteilung im Unternehmen und dem meist sehr unterschiedlichen Erfahrungshintergrund leben CIOs und Bankiers inhaltlich und sprachlich beinahe auf unterschiedlichen „Planeten“ und denken in völlig verschiedenen „Zeithorizonten“: Kurzfristiger Business-Nutzen steht ständig dem Ziel einer nachhaltigen IT-Planung gegenüber. Nur ein Prozent der Vorstände oder Verwaltungsräte hätten einen technischen Hintergrund, so die PwC-Studie, entsprechend seien auch die Möglichkeiten, sich mit den Feinheiten der IT-Themen intensiver auseinanderzusetzen. „Da werden dann IT-relevante Diskussionen in wenigen Minuten abgefertigt“, resümiert ein Befragter.

In der Tat: Die Tiefen des IT-Maschinenraums sind nicht das tagtägliche Metier eines Vorstands. Gravierender aber ist: In der Zeit nach der Finanzmarktkrise mit der anhaltend beschleunigten Veränderungsgeschwindigkeit im Aufsichtsrecht und Geschäftsmodell bleibt meist nicht genug Zeit, die mittel- bis langfristigen Konsequenzen aus den Entscheidungen über die IT zu antizipieren. Geradezu klassisch sind die Folgen dieses Verhaltens, wenn auch noch Sparzwänge auferlegt werden, oder auch nur der Verwaltungshaushalt unter die Lupe kommt. Denn besagte Lupe kommt meist mangels Zeit gar nicht zum Einsatz. Die IT als Ganzes erscheint dann als teure „Black Box“ ohne direkten Bezug zum Kerngeschäft. So kommt beim Kostensenken allzu oft die Rasenmähermethode zum Einsatz. Die Sachkosten sind allerdings meist nicht variabel – und so wird zwangsläufig und überproportional das IT-Personal abgebaut. Die benötigten Qualifikationen vorausgesetzt, wird aber eben jenes IT-Personal für die Wettbewerbsfähigkeit einer Bank zukünftig auch in den Kernkompetenzen (mit-)entscheidend sein können.

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