Wie wird die IT zum "proaktiven Business Enabler"?

Kommentar zur Lünendonk-Studie 2023: „IT-Strategien und Cloud-Sourcing im Zuge der digitalen Transformation: Der Markt für IT-Sourcing-Beratung in Deutschland"

Michael Wendt

Aktuelle Studie zeigt steigenden Einfluss der digitalen Transformation auf IT-Strategien und Cloud-Nutzung

Die aktuelle Lünendonk-Studie hat einige bemerkenswerte Ergebnisse geliefert, die den steigenden Einfluss der digitalen Transformation auf IT-Strategien und Cloud-Nutzung der Unternehmen aufzeigen. Mit den stetig wachsenden Kundenanforderungen, dem Umbau ganzer Geschäftsmodelle und dem rasanten Technologiewandel steigt die Komplexität sowohl für die Fachbereiche als auch in der IT und erfordert immer mehr ein neues Rollenverständnis der IT-Abteilung. In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass sich 50% der befragten Unternehmen nicht als "proaktiver Business Enabler" sehen, obwohl eine beträchtliche Mehrheit – ganze 74% – dies bis 2024 anstrebt. Dies wirft sofort die Frage auf: Wie realistisch ist dieses Ziel?

Altes Konzept – neue Herausforderungen 

Das Konzept der IT als "proaktiver Business Enabler" ist nicht neu. Es wird seit mindestens zwei Jahrzehnten propagiert, und dennoch erreichen nur wenige dieses ersehnte Selbstbild. Fairerweise muss man einräumen, dass die meisten IT-Organisationen heute ihre Kundenorganisation in der Rolle einer Support-Funktion gut unterstützen. Aber der Weg zu einer proaktiven, produktorientierten IT-Organisation, die gemeinsam und gleichberechtigt mit dem Business digitale Produkte entwickelt, scheint angesichts der aktuellen Herausforderungen aus digitaler Transformation bei gleichzeitigem Fachkräftemangel steiniger denn je. Kann in nur einem Jahr das erreicht werden, was in den letzten zwanzig Jahren nicht gelungen ist?

Ein Großteil des Problems liegt in den ständig wachsenden Anforderungen, die an die IT gestellt werden. Die digitale Transformation allein hat die Landschaft drastisch verändert, wobei Unternehmen nun aufgefordert werden, sich permanent anzupassen und zu innovieren. Fügt man dazu noch den Boom der künstlichen Intelligenz und die stetig wachsenden Bedrohungen im Bereich der Cybersecurity hinzu: ein Rezept für Überforderung. Es ist also keine Überraschung, dass die IT Schwierigkeiten hat, den Status eines "proaktiven Business Enablers" zu erreichen. Dies erfordert Freiräume in Form von Ressourcen und Zeit, um sich beispielsweise mit neuen Technologien auseinander zu setzen, deren Nutzen für das eigenen Unternehmen zu bewerten und neue, digitale IT-Produkte zu entwickeln.

Agile Methoden für veränderte Anforderungen

Doch es gibt Hoffnung. Lösungsansätze, die eine eng verzahnte IT- und Cloud-Strategie mit agilen Elementen kombinieren, könnten den Weg ebnen. Die klassische Mittelfrist-Planung mit Zeiträumen von 3-5 Jahren gilt heute in der IT als überholt. Methoden wie OKR (Objectives and Key Results) können helfen, den Fokus auf strategische Projekte mit hoher Priorität zu lenken und regelmäßig, in kürzeren Zyklen, die Projekte an veränderte Anforderungen anzupassen.
In sehr vielen IT-Organisation ist der überwiegende Teil der Personal-Ressourcen immer noch mit operativen IT-Tätigkeiten ausgelastet. Mit konsequenter Automatisierung von IT-Betriebsabläufen und intelligentem Sourcing können hier Freiräume geschaffen werden, die für Innovation und Weiterentwicklung benötigt werden. Es geht nicht nur darum, Technologie zu haben; es geht darum, sie auf die richtige Weise zu nutzen.

User Adoption als größte Herausforderung

Die vielleicht größte Herausforderung ist jedoch nicht technischer, sondern kultureller Natur. Ein kultureller Wandel ist notwendig – sowohl auf organisatorischer als auch auf individueller Ebene. Die Technologie kann nur so gut sein wie die Menschen, die sie nutzen. Bei der Einführung funktionsreicher Plattformen wie beispielsweise M365 geht sehr viel Potenzial verloren, weil viele Funktionen nicht bekannt sind oder Berührungsängste aus veränderten Abläufen entstehen. Mitarbeiter müssen befähigt, geschult und unterstützt werden, um die IT wirklich als Mittel zum Geschäftserfolg zu nutzen. Hier können "Enabler" ins Spiel kommen – Beratungen, die über reine technische Fähigkeiten hinausgehen und Unternehmen dabei unterstützen, den Wert ihrer IT wirklich zu nutzen.

Es bleibt ein spannender Weg

Abschließend ist zu sagen, dass der Weg der IT zum "proaktiven Business Enabler" kein einfacher ist. Er ist gepflastert mit technologischen, organisatorischen und kulturellen Herausforderungen. Doch mit der richtigen Strategie, den richtigen Tools und der richtigen Unterstützung ist er erreichbar. Es bleibt abzuwarten, ob die 74% der Unternehmen, die dieses Ziel für 2024 anstreben, es tatsächlich erreichen werden. Es wird sicherlich interessant sein, die Fortschritte in diesem Bereich zu beobachten.

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