Von Managed Cloud Infrastructure, Selbstkritik und kritischen Workloads

Vor wenigen Tagen wurde die IDG-Studie „Managed Services 2020“ veröffentlicht. Einmal mehr nehmen wir die neueste Auflage zum Anlass und spiegeln ausgewählte Studienergebnisse an unserem Beratungs- und Projektalltag. Als spezialisierter Sourcing Advisor, der seinen thematischen Schwerpunkt gleichermaßen auf die traditionellen Managed IT- und Cloud-Services legt, fallen uns vor allem drei Punkte auf:

Kommentar zur IDG-Studie "Managed Services 2020"

Vor wenigen Tagen wurde die IDG-Studie "Managed Services 2020" veröffentlicht. Einmal mehr nehmen wir die neueste Auflage zum Anlass und spiegeln ausgewählte Studienergebnisse an unserem Beratungs- und Projektalltag. Als spezialisierter Sourcing Advisor, der seinen thematischen Schwerpunkt gleichermaßen auf die traditionellen Managed IT- und Cloud-Services legt, fallen uns vor allem drei Punkte auf:

Managed Cloud Services katapultieren sich in die Liga des klassischen IT-Outsourcings

Auf die Frage, "Auf welchen Gebieten arbeitet Ihr Unternehmen mit Managed Service Providern zusammen?" nannten die befragten Unternehmen die "Managed Cloud Infrastructure" am dritthäufigsten. Das Ranking ist überraschend, denn lange dominierten am Markt die Themen "Managed Data Center" oder "Managed Workplace". Dedizierte Managed Services für den Cloud-Konsum flogen dabei lange unter dem Radar.

Ganz offensichtlich ist die Einsicht gewachsen, dass sich das "Operational Management" der Cloud-Ressourcen und -Dienste, also Administration, Konfiguration, Trouble-Shooting usw. eben nicht "so einfach nebenher aus dem laufenden IT-Betrieb" organisieren lässt. Das erfordert Spezialisten-Know-how, Erfahrung und Expertise, über die viele Unternehmen nicht verfügen oder es auch erst gar nicht aufbauen wollen. Eine Lücke, die die klassischen IT-Outsourcing-Provider zunehmend schließen. Aber auch hier werden die Kundenerwartungen und -Anforderungen nach unserer Beobachtung ebenso vielfältig wie die Produktportfolien der Cloud-Anbieter und Hyperscaler.

Cloud-Nutzer werden selbstkritischer

Mehr als ein Drittel der befragten Studienteilnehmer führt Zielverfehlungen bei der Nutzung cloudbasierter Services unter anderem auf die fehlende Reife eigener Prozesse zurück. Das markiert in dieser Deutlichkeit einen echten Paradigmenwechsel! Dabei ist nicht nur das gesteigerte Maß an Selbstkritik bemerkenswert. Denn offenbar haben die Cloud-nutzenden Unternehmen ihre Lernkurve hier deutlich schneller durchlaufen als wir es vergleichsweise noch aus dem Outsourcing traditioneller Managed-IT-Services kennen. Kommt es in dieser individuell ausgehandelten und zusammengestellten IT-Service-Welt etwa zu Qualitätseinbußen, führt die Ursachenanalyse beinahe reflexartig in Richtung des beauftragten Managed Service Provider. Marktübliche Sourcing-Verträge nehmen den Provider hier zunächst in die Beweispflicht, das Gegenteil aufzuzeigen – ein letztlich logischer Schritt in der Quotierung von Providerverantwortung und Kundenmitwirkung.

Wer aber hoch standardisierte, quasi industriell gefertigte Cloud-Produkte konsumieren will, kommt nicht umhin, sich auf die Spielregeln dieses Massengeschäfts einzulassen: Ohne adäquate Ausrichtung eigener Betriebs-, Kontroll- und Steuerungsprozesse auf die konformistischen Vorgaben des Cloud-Anbieters geht es nicht. Mehr noch, cloudspezifische Prozesse wie Billing oder Provisioning in der eigenen Organisation zu etablieren, gehören auf die Agenda erfolgreicher Cloud-Nutzung.

So wird die Entwicklung organisatorischer Zielbilder ebenso zum unabdingbaren Bestandteil der Cloud-Strategie wie es die technischen Zielbilder ehedem schon sind. Das Herz der strategischen Cloud-Überlegungen schlägt in zwei Kammern, untrennbar in ihrem Lebenserhalt miteinander verbunden, geben sie den gemeinsamen Takt für die Cloud-Nutzung vor. Das umfasst auch erste, strategische Überlegungen zur Einrichtung einer auf die Cloud ausgerichteten Governance-Struktur und der damit verbundenen Cloud Readiness des Unternehmens. Die Readiness wird nach unserer Beobachtung dabei immer noch zu einseitig auf technische Aspekte reduziert.

Wachsende Cloud-Nutzung ja, aber (noch) wenig kritische Workloads und Anwendungen

Auch wenn es zu den technologischen Grundprinzipien der Cloud gehören mag – so unendlich ist die "Freiheit in den Wolken" dann doch nicht. Zwar haben der Studie zufolge rund zwei Drittel der befragten Unternehmen ihre Workloads in die Cloud verlagert. Die Quote liegt hier demnach zwischen 50 und knapp 80 Prozent. Doch leider trifft die Studie – wie viele andere Publikationen auch – in diesem Zusammenhang keine Aussage zur eigentlichen Geschäftskritikalität. Im Gegenteil, nicht jedes Unternehmen lässt sich dabei in die Karten schauen und hält sich bedeckt.
Sourcing- und Cloud-Strategien werden daher zunehmend differenzierter in der Ausformulierung ihrer Zielbilder und Cloud-Service-Provider. Denn selbst branchenspezifische Anbieter wie etwa im Banken- und Versicherungsmarkt greifen mitunter im Infrastruktur-Layer auf die Cloud-Dienste US-amerikanischer Hyperscaler zurück und erschweren ihren Kunden damit den Weg zu ihren cloudbasierten Kernbanken- oder Universalversicherungs-Lösungen. Und dennoch sind auch wir davon überzeugt, dass der Cloud-Anteil geschäftskritischer Workloads und Anwendungen weiter wachsen wird. Dass sich die klassischen Managed IT-Provider mit ihren hybriden Cloud-Management- und eigenen Public-Cloud-Angeboten Marktanteile zurück erobern, ist die logische Konsequenz einer zuletzt wachsenden Kleinteiligkeit in den Sourcing-Entscheidungen der Unternehmen. Und das wiederum dürfte – wie auch die IDG-Studie erkennen lässt – den Markt befeuern und den Wettbewerb steigern. Ein Szenario, von dem schließlich alle würden profitieren können.

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